Justina Dargel - die Seherin von Groß-Köllen



In dem Artikel von Dr. BRUNO SCHWARK werden das Leben und die Umtriebe von Justina Dargel als Seherin von Groß-Köllen betrachtet.

Auf Justina bin ich freundlicherweise von Ramona N. aus dem Ermlandforum aufmerksam gemacht worden. Sie hat mir auch zwei Publikationen bereitgestellt, die sich umfassend mit dem Schicksal der Seherin und ihrer Sekte befassen und die ich hier anführen möchte. Die umfassendere Darstellung findet sich in einem Artikel, der freundlicherweise vom Druck- und Verlagshaus FROMM zur Veröffentlichung hier freigeben wurde.

Groß-Köllen war eine Gemeinde im Landkreis Rösel. Weitergehende Ortsangaben finden sich im GenWiki.

 

Justina Dargel

Einen kurzen Abriss beschreibt Dr. Anneliese Triller:

Die Dargel-Sekte und ihr Auszug nach Triest 

Was neulich bei meiner kurzen Darstellung vom Leben und der Persönlichkeit des heiligmäßigen ermländischen Benefiziaten Bernhard Graw über die recht dürftigen Nachrichten, die uns heutzutage über ihn zur Verfügung stehen, gesagt werden musste, gilt diesmal in noch höherem Maße, und daher wiederum meine Bitte um Mithilfe bei der Vervollständigung* des recht knappen, eigentlich ganz "unfertigen" Stoffes. Ich möchte die Sache dennoch zur Kenntnis geben und zur Debatte stellen, da es sich um ein eigenartiges, wenn auch, auf das Ganze gesehen, tragisches Geschehen handelt, das sich vor etwa 60-70 Jahren im Ermlande abspielte. Meine Nachrichten darüber habe ich zum größten Teil aus dem Gedächtnis auf Grund der in der Heimat gesammelten, meist mündlichen Berichte, verdanke sie aber auch einer alten, heute in der Sowjetzone wohnhaften Frau aus Hohenfeld. Merkwürdig ist, dass eine Reihe älterer Ermländer mir berichteten, die Vorfalle hätten zu Lebzeiten ihrer Eltern großes Aufsehen erregt, während andere nie etwas davon gehört haben.

  Im Mittelpunkt  jenes Geschehens steht die etwa um 1860 geborene Bauerntochter Justina D a r g e l aus dem Dorfe Hohenfeld, nicht weit von der Passarge im Kirchspiel Elmdetten gelegen. Leider wissen wir bisher nichts über ihre Jugend und etwaige Einflüße, die ihre so besondere Entwicklung bedingt haben könnten. Justina behauptete jedenfalls, mit den Wundmalen Christi begnadigt worden zu sein und besondere Gaben der Prophezeiung zu besitzen. Es ist wohl anzunehmen, daß es sich dabei kaum um einen bewußten Betrug handelte (wie es z.B. später von einer Frau aus Basien erzählt wurde, die sich die Stigmata an Händen und Füßen durch Ansetzen von Blutegeln selber beigebracht hatte).

  Justina Dargel war anscheinend selbst von ihrer Begnadigung fest überzeugt, in die sie sich durch Selbstsuggestion immer mehr hineinsteigerte; und sie scheint tatsächlich große Fähigkeiten besessen zu haben, auch andere für sich zu gewinnen, zu überzeugen und mitzureißen. In ihrem Heimatkirchspiel Elditten allerdings gelang das der „Wunderjuste", wie man sie dort nannte, kaum; denn der Prophet gilt nun einmal nichts in seinem Vaterland. Man lachte vielmehr über sie; die Kinder kletterten an ihrem Fenster hoch und versuchten durch die zugezogenen Vorhänge zu erspähen, was in der Stube vor sich ging; und der Eldittener Pfarrer soll sogar einmal mit dem Stocke nach Justina geschlagen haben, als sie ihm in der Pfarrei ihre Wundmale vorführte.

  Aus diesen Gründen wahrscheinlich zog die Dargel aus der Wormditter Gegend fort in das Kirchspiel Gr. Köllen bei Rößel. Dort scheint die Zahl ihrer Anhänger ständig zugenommen zu haben. Die Stigmatisierte lag meist zu Bett und empfing die Besucher, mit denen sie betete und denen sie auf Grund der ihr angeblich zuteil gewordenen besonderen Offenbarungen Auskunft in ihren persönlichen und allgemeinen Fragen und Nöten erteilte. Die Leute bewiesen sich dadurch erkenntlich, daß sie der Prophetin Geld und mitgebrachte Lebensmittel unter das Kopfkissen steckten, so daß sie recht gut leben konnte.

  Justina Dargel beschränkte sich aber nicht nur auf die persönliche Beratung von anderen. Sie sammelte eine eigene Gemeinde zu regelrechten  

<…unleserlich...> 

Anhänger allmählich immer mehr dem normalen Leben. In der Rößeler Gegend wurde noch vor der Vertreibung hier und da von seltsamen  Gottesdiensten erzählt, die Justina in ihrem Zimmer veranstaltete. Sie selbst und ihre Gläubigen sollen dabei der liturgischen Kleidung des Priesters ähnliche, weite Gewänder in lila Farbe mit Schärpen getragen haben. Leider ist nicht überliefert, wie sich dieses eigenartige Zeremoniell im einzelnen abspielte.

Merkwürdig ist, daß es der Dargel sogar gelang, einen ermländischen  Priester ganz für sich zu gewinnen, einen Kaplan, dessen Name mir leider entfallen ist (ich nehme an, daß es sich um einen Kaplan von Gr. Köllen gehandelt hat; seine Personalakten habe ich einst in der Registratur des Generalvikariats in Frauenburg eingesehen). Selbst auf die Vorstellungen der bischöflichen Behörde hin ließ er sich nicht von seinem Glauben an die echte Sendung der angeblichen Prophetin abbringen und hielt auch noch zu ihr, als später über ihn die Suspension und über die übrigen Anhänger die kirchliche Exkommunikation  ausgesprochen worden war. Diese Warnungen und Strafen nützten leider nichts und vermochten die Anhänger der Dargel nicht davon abzuschrecken, daß sie ihren immer seltsameren und verhängnisvolleren Ratschlägen und Geschichten Glauben schenkten und so sich selbst ins Unglück stürzten.

Zu den von der Wunderjuste immer wieder ausgesprochenen Prophezeiungen gehörte nach der Art ähnlicher Sektierer vor allem die Verkündigung des für einen bestimmten nahen Termin bevorstehenden Weltunterganges. Davon vermochte sie Ihre Anhänger vollständig zu überzeugen und sie in Angst und Schrecken zu versetzen. Das Sonderbare an dieser Voraussage war nur, daß ihrer Auskunft nach nicht die ganze Erde untergehen werde, sondern nur ein Teil von ihr; und zwar werde die Umgegend von Triest von der allgemeinen Zerstörung ausgenommen sein und den vor Gott Gerechten vorbehalten bleiben. Also: Auf nach Triest im damaligen Österreich! Dort könne man nicht nur seine Seele, sondern auch sein Leben retten und werde nach dem allgemeinen Untergang in paradiesischem Frieden und Reichtum in einem tausendjährigen Reiche leben!

Justina muß wirklich viel Überzeugungskraft besessen haben, daß sie nicht nur den einen und anderen, sondern eine ganze Menge der doch so an ihrer Scholle hängenden ermländischen Bauern und Handwerker (angeblich sollen es zusammen über 100 Personen gewesen sein) überzeugte, in den 90er Jahren all ihr Hab und Gut zu verkaufen und sich zur Auswanderung tatsächlich bereitzumachen. Auch jener Kaplan nahm an dem Unternehmen teil, was die Leute gewiß in ihrem Vorhaben bestärkte. Verwunderlich ist es nur, daß es dieser recht ansehnlichen Schar von Menschen gelang, die doch damals nicht so ganz einfachen staatlichen Formalitäten für eine solche Aus- und Einwanderung sowohl auf deutscher wie auf österreichischer Seite zu überwinden und ihre Pläne tatsächlich in die Wirklichkeit umzusetzen. Es mag damals im Ermland viele Tränen und Familientragödien, viel gütliches oder strenges Abraten, aber auch manch hartnäckiges Durchsetzen gegeben haben. Aber schließlich kann man keinen hindern, in sein Verderben zu gehen.

Die „Dargel-Sekte" zog tatsächlich fort und versuchte in der ländlichen Umgegend von Triest Fuß zu fassen und sich hier und dort, möglichst in gegenseitiger Nähe, anzukaufen. Aber schon durch das Geldwechseln hatte man große Verluste erlitten. Boden und Klima waren ungewohnt, einige Ansiedler fielen auch auf gerissene Betrüger und Spekulanten herein. In der Heimat vernahm man wenig von den Ausgewanderten, denen es von Jahr zu Jahr schlechter ging. Manche starben in der Fremde, andere verarmten ganz; und wenn auch anfangs noch einer dem anderen half, so war die Enttäuschung doch groß, als der angesagte Termin verging, ohne daß eins der prophezeiten Ereignisse eintrat. Die alte Erde ging noch nicht unter, und das Leben bei Triest schien sich eher in eine Hölle als in ein Paradies zu verwandeln. Vergeblich tröstete der Kaplan, das Heimweh setzte den entwurzelten im fremden Lande immer mehr zu; und als schließlich die Dargel starb, gab es kein Halten mehr.

 Der eine und andere folgte dem Beispiel des verlorenen Sohnes, raffte seine letzte Habe zusammen und kehrte reumütig in die Heimat zurück. Wir wissen von einigen Heimkehrern, die den Mut zu solcher Umkehr fanden und sich in der Heimat durch Ablegung des Glaubensbekenntnisses in ihrer Pfarrkirche vor der ganzen Gemeinde auch offen wieder von ihrer Irrlehre lossagten. Zum Teil gelang es den Zurückgekehrten auch wieder, im Ermland zu Besitz zu gelangen (z. B. kaufte sich eine Bauernfamilie Hauschild aus Hohenfeld, die mit nach Triest gezogen war, später in Neuendorf bei Guttstadt an). Andere mögen in der Fremde verstorben und verdorben sein.

 Auch über die weiteren Schicksale jenes ermländischen Kaplans wissen wir Bescheid. Das Scheitern des Triester Unternehmens muß ihn als einen der Hauptverantwortlichen ganz besonders schwer getroffen haben. Er wandte sich an die für Triest zuständige kirchliche Behörde, unterrichtete sie von seiner Schuld und seiner Reue und bat um Aufhebung der über ihn verhängten Suspension. Wie aus dem Briefwechsel des Triester bischöflichen Amtes mit den zuständigen Frauenburger Stellen hervorgeht, erlangte der Kaplan nach Absolvierung einer ihm auferlegten Zeit der Einkehr und Buße die erbetene Wiederherstellung in all seinen priesterlichen Rechten. Er kehrte aber nicht mehr ins Ermland zurück, wo er wohl die Abneigung und Enttäuschung der Geschädigten fürchtete, sondern übte seine weitere Seelsorgetätigkeit in Tirol aus, wo er auch als gewissenhafter und eifriger Priester gestorben sein soll.

 Offen bleibt für den wissenschaftlichen Betrachter dieses Geschehens vor allem die Frage, wie Justina Dargel zu ihrer Sektenbildung und zu ihren prophetischen Ideen gekommen ist. Sind ihr entsprechende Bücher in die Hand gefallen, oder ist sie gar von ähnlichen ekstatischen Sekten beeinflußt worden, wie es sie damals in Russland und Polen gegeben hat? In jedem Fall muß auch eine starke hysterische und suggestive Veranlagung bei der Wunderjuste hinzugekommen sein. Ob es ein Bild von ihr gegeben hat oder ob jemand aus den Erzählungen seiner Eltern und Großeltern noch weitere Einzelheiten über dieses doch gar nicht allzuweit zurückliegende Geschehen berichten könnte!

Dr. Anneliese Triller

Quelle: „Unsere Ermländische Heimat“ – Mitteilungsblatt des Historischen Vereins für Ermland, Sommer 1956, Jahrgang 2,  Nr.3

Eine weitere Quelle über die Dargel-Sekte findet sich in einem Artikel von Anneliese Triller in der "Zeitschrift für die Geschichte und Altertumskunde Ermlands" desHistorischen Vereins für Ermland e.V., Bd. 39 (1978). Der ganzen Folge Heft 100. 232 S. € 12.- Triller: Die Dargelsekte im Ermland.

 

Ort (Karte)

Kolno, Polen
Dargel: Name oder Sammelbegriff?
Kirchenbuch Meisdorf (ev)

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Kommentare (3)

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Hallo, Herr Dargel :-)
- ich las vor Jahren von der "Wunder-Juste" des Ermlands in den Ermland-Kalendern (meine Vater-Sippe ist aus Kreis Allenstein), im 19.Jhd ging ja mehrfach "die Welt unter" (beruehmteste Sekte damit wurde damals ja die...

Hallo, Herr Dargel :-)
- ich las vor Jahren von der "Wunder-Juste" des Ermlands in den Ermland-Kalendern (meine Vater-Sippe ist aus Kreis Allenstein), im 19.Jhd ging ja mehrfach "die Welt unter" (beruehmteste Sekte damit wurde damals ja die "Wachtturm"-Gesellschaft, sie "berechneten" es mehrmals neu und sammelten Anhaenger auf die "biblisch 12 x12 Tsd" Rettenswerten hin - soviele verlangte "unsere" kleine Ermlaenderin ja gar nicht.
- Aber z.B. fuer 1492 "wussten" es alle Astronomen Europas "ganz genau", anfangs predigte das auch Martin Luther (gb *1493) erfolgreich, erst nachdem es 1505 (wieder astronomisch berechnet) immer noch nicht "passierte", und lange danach - kam er zu der abgeklaerten Formulierung mit dem "Apfel-Baeumchen" (das er noch setzen wuerde, wenn man nochmal von "direkt-bevorstehendem Welt-Untergang" reden wuerde) - und zwar nicht nur im 1/3-"sued"-preussisch (noch-nicht-wieder)-Polen und Russland (wie Sie erwaehnten) florierten "Seher-Karrieren" aller Art, z.B. auch in England und USA - von dort haetten es ausgewanderte Ostpreussen berichten koennen, doch darin seh ich nicht die Erklaerung, was mit der Jungfer Justine geschah. Es heisst ja, dass sie von ihren "Eingebungen" glaubhaft ueberzeugt war.
- Grad erst 1877 war doch (ausgerechnet mitten in Bismarcks "Kultur-Kampf") in Dietrichswalde die "Schoene Dame" im Ahorn-Baum den 2 Maedchen erschienen, das war kirchlich anerkennbar, aber der Zorn des Reichs, der diese Maedchen und ihren Pfarrer traf, war doch noch nicht beruhigt, und Leute wie Jungfer Justina und "ihr" Kaplan konnten einiges kirchen-politisches "Porzellan" im selben Reich zerdeppern, indem sie Bauern nicht nur zum Beten, sondern regelrecht zur Land-Flucht bewegten, eben erst war doch ein Reichs-Konkordat mit Papst Leo XIII ausgehandelt worden, um den Kirchen-Kampf zu beenden. Der einzige roem.-kath. dt Bischof, der in jenen 14 Jahren nicht von hinter der Grenze und auch fuer dort heimlich amtieren musste (um nicht immer wieder oder dauerhaft in Haft sitzen zu muessen und wiederum keinen Dt-Reichs-Krieg auf jenes Land zu ziehen) war der in Ostpreussen (ein v Hohenlohe, nah verwandt mit dem Kaiser-Haus), aber bekam auch genug behoerdliche Schikanen ab.
- ich meine, bei Jungfer Dargel war auch ihre Rede konkret von der Eroberungs-Katastrophe Ostpreussens, in der Hinsicht hat sie ja "richtig geahnt, nur zu frueh datiert", dachte ich, als ich diese Geschichte der ostpreussisch-seherischen Justina las - meine Mutter (mit mir "noch drin") wurde nach 1 Flucht-Versuch im Januar (dies KdF-Schiff ging torpediert unter, ohne uns, wir kamen nicht mehr drauf, weil meine schwangere Mutter ploetzlich Panik ueberkam und sie umkehrte) - und dann Ende Maerz, Gruendonnerstag 1945 an der Flucht durch Hafen Pillau durch Zerbrechen des Haff-Eises gehindert und dann im Hafen Rauschen ueberrollt, nachdem wir von dort aus Koenigsberg am 8.April abbrennen sahen - wir fanden es (voller Angst vorm "Erobert-Werden" auch schwangerer Muetter alleine abseits der Hauptstrassen durchs zerstoerte Land ziehend) erst etwa zu Himmelfahrt wieder, und wir waren im Juli 1947 unter den 10 v.H. ausgewiesenen letzten Ueberlebenden Koenigsbergs.
Das (Belagerung der Festung ab Januar bis zu ihrem Fall 8.April 1945) konnte man durchaus als "apokalyptische" Erlebnisse einstufen. Einen Vorgeschmack bekamen Masuren und Sued-Ermland ja schon im August 1914 ab, wo unsere Grossmutter mit meinem Vater als ihrem Baby in eben-dem Hohensteiner Wald versteckt sass, wo die russ. 200 Tsd-Mann-Heere gestoppt werden konnten, deren Vorhut schon in Allenstein wuetete. Das General-Samsonow-Grabmal steht ja noch in Willenberg, wohin sie geheiratet hatte. Danach kam man ja auf die Idee, dass die Festung Koenigsberg ein mehr-sicherer Ort sei - war es dann auch nicht.
- Als sozusagen letztes ueberlebendes dt Baby von "Koenigsberg" (wir waren nur noch 2, die bis zur Ausweisung immer-noch-ein-bisschen lebten, soviel ich weiss) las ich die Justina-Erzaehlung im Ermland-Kalender mit etwas Wehmut - zumindest richtig-geahnt war das schon, fuer ein Bauernkind im damaligen Ermland-und-Masuren war die "Welt" nicht groesser als diese, wo wir auch mal ca 250 gut-vernetzte Vetterchen-und-Baschen wohnen hatten, sogar ein Omachen (von unserer Omi) in Dietrichswalde weiss ich, vom 50-Jahre-Jubilaeum der Erscheinungen dort.
- Es gibt neben (selten) anerkennbaren Visionen (wie dort) auch ein "oneiroides" Tag-Traum-Erleben, diese Differenzial-Diagnose einer spontan-auftretenden, passageren, Erkrankung wurde aber erst anlaesslich der unsaeglichen Euthanasie-Welle nach 1933 erarbeitet, um moeglichst viele Leute retten zu koennen, die am hellichten Tag etwas oder Jemanden sehn, was andre um sie herum nicht auch sehn. Man kann es auch als "3.Stufe des Autogenen Trainings" kontrolliert herbei-fuehren, etwas, was das Bauernkind Justina damals beides gewiss nicht gelernt haben kann.
- Sie war damit spontan konfrontiert, und jemand in ihrer Umgebung kann dann auch inhaltlich etwas daran thematisch hinzufuegen, aber nicht bewirken und steuern, wie die "laufenden Bilder" sich entwickeln. Manche werden absichtlich dabei verfuehrt, wie der arme "Seher von Palmaria" bei Toledo, den ein Rechts-Anwalt gezielt da hinein-steuerte, als er hoerte, dass er schonmal bildhaft tag-getraeumt hatte, was heute eine beharrliche, die Leitung sehr bereichernde, Sekte ist (bei denen ging die Welt auch mehrmals "unter", zuletzt 2015, aber deren "Seher" starb inzwischen, doch die Sekte stoert der nicht weiter, sie haben schon laengst einen Gegen-Papst mit selbst-geweihtem "Konklave" aufgestellt) - das hinterlistige "Tag-Traeume-Steuern" kann man Justinas Kaplan vermutlich nicht vorwerfen, sie lebten rund 100 Jahre vorher.
- Woher Jungfer Juste Dergel vor 1890 die Untergangs-Vorstellungen hatte, kann sein, durch Veteranen des 1870-71 Dt-Frz Kriegs, es gab doch dann jaehrlich den "Sedans-Tag" im neuen Dt Kaiser-Reich, denn es waren die ersten (anonymen, ein Soldat sah ja gar keinen Feind direkt) "Material-Schlachten" im Stellungs-Kampf gewesen, und denen, die als Veteranen ueberlebten, muessen die Haare noch Jahrzehnte-lang zu Berge gestanden haben, davon gab es sicher auch welche um Elditten herum mitzuerleben.
- Wieso grad Triest? - ich vermute mal, das war ja ein bekannter Hafen fuer Hl Land-Wallfahrer (King Richard von England kam auch ueber Triest aus dem Hl Land-Zug zurueck (wonach der allerdings sofort nahe von dort gekidnapt wurde, zwecks Loese-Geld-Erpressung) - von modernen Pilgerfahrten berichteten Palaestina-Missions-Heftchen (mit Osmanen gab es 1890 grad wenig Probleme), und fuer ein Bauernkind im Ermland, dem die preuss. Grundschule allenfalls "Heimat-Kunde" anbot, war das schon der "Eingang zum Hl Land". Ausserdem - in oesterreichisch Triest waren sie vor dem dt-kaiserlichen "Zugriff" sicher (vgl dessen krasses Eingreifen in Dietrichswalde - ohne zu ueberlegen, wie es der alte Wiener Kaiser Franz Josef fuer die Ordnung in seinem Reich beurteilen wuerde - aber sie waren bei dem ja "nur" (auf der Durchreise?) unterwegs, um "ein paar Preussen" zum Heil zu verhelfen. - Im modernen Staat Israel holt man jaehrlich bis zu 150 "Johannes der Taeufer" und aehnlich Begeisterte aus der Wueste Judaea raus, und schickt sie nach kurzem Klinik-Aufenthalt in ihre Heimaten zurueck, ehe dass die zu viele Palaestinenser anpredigen)
- Sie gaben vermutlich fuer die diversen Buerokraten zwischen Ermland und Triest an, auf "Grosser Pilger-Fahrt" zu sein, zumal mit einem echtem Kaplan bei sich (und ihr Sprecher - doch bestimmt der "gelehrteste", der Kaplan) - erzaehlte da gewiss nicht grad denen vom "aktuellen" Welt-Ende, dann fielen schonmal rund 100 "Pilger" nicht sehr auf (man dachte ja, dass Pilger dann artig zurueck kommen wuerden). Und die "Stigmata-geplagte" Jungfer Juste parkte man inzwischen etwas abseits auf einem Stroh-Wagen, falls es sie etwas lauter-begeistert zu predigen "ueberkaeme". Es war ausserordentlich anstrengend, was ihr passiert war, selbst falls sie mit den "Stigmata" etwas "nachgeholfen" haben sollte (weil es "stilvoller" waere), und wohl starb sie auch relativ frueh - sie ruhe in Frieden.

Also ich hoffe, dem Forum einiges Konstruktives beigetragen zu haben :-)
mfG WiTaimre

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Hallo Herr Dargel,

meine Großmutter Ottilie Thimm ist in Kleinenfeld geboren und aufgewachsen. Um deren Herkunft zu erforschen, habe ich das bei den Mormonen verfilmt vorliegende Kirchenbuch Elditten durchgesehen. Dabei stieß ich im Buch der...

Hallo Herr Dargel,

meine Großmutter Ottilie Thimm ist in Kleinenfeld geboren und aufgewachsen. Um deren Herkunft zu erforschen, habe ich das bei den Mormonen verfilmt vorliegende Kirchenbuch Elditten durchgesehen. Dabei stieß ich im Buch der Taufen "B155 1847 bis Nov. 1882 mit Einlage von 1911" auf Seite 78 auf den Geburts- (14.05.1860) und Taufeintrag (17.05.) der Justina. Am rechten Rand war unter "Bemerkungen" ein Zeitungsausschnitt eingelegt aus der Ermländischen Zeitung vom 10. II.1928, Nr. 7 über die Seherin Justina Dargel, der sehr knapp darüber berichtet und ihren Tod in Triest nach Mitteilung italienischer Behörden an des Pfarramt Elditten vermerkt. Worin die "Einlage von 1911" besteht, ist mir nicht bekannt.

In der "Chronik von Gr. Köllen" wird die Seherin nicht erwähnt. Im ersten Weltkrieg "waren die Nachbardörfer von russischen Truppen besetzt, die Greueltaten wurden auch in Gr. Köllen bekannt. ... im Dorf war nur kurzfristig ein russisches Vorkommando, das bei Jablonskis fürchterlich gehaust hat" .
Hat Justina die Greueltaten bei Jablonskis, in den Nachbardörfern oder die des Endes des zweiten Welltkriegs vorausgesehen?

Als Quellen nennen Sie nur zwei von Dr Anneliese Triller, erwähnen jedoch anfangs einen "Artikel von Dr. Bruno Schwark", wo ist der zu finden? Die Zeitschriften "Unsere Ermländische Heimat" (UEH) und "Zeitschrift für die Geschichte und Altertumskunde Ermlands" (ZGAE) sind im Gerhart-Hauptmann-Haus in Düsseldorf einzusehen.

Aktuell suchte ich im Internet nach Justina Dargel, weil ein Bekannter mich darauf ansprach, dessen Stiefmutter, geborene Fox, aus einer Familie stammte, die damals von der Seherin beeinflußt worden war. Ich war sehr erstaunt, so viel zu finden; das Herder-Lexikon von 1956 kannte Justina nicht.

Ich wünsche viel Erfolg beim Suchen. Man findet vieles, was man nicht sucht, wird aber nie fertig mit suchen. In Gr. Köllen lebte ein Bauer Albert Herrmann, mit dem ich den Urururgroßvater gemeinsam habe; dessen Eltern und Großeltern mir jedoch fehlen. Ich weiß nur von einer noch lebenden fast 100-jährigen Nichte seiner Frau, daß er von dem vom Urururgroßvater gegründeten Gut Grünhof in Sturmhübel stammte. Der Sohn, der das Gut damals übernahm, hat seine Frau bei seinem Bruder im Kirchspiel Schönbrück gefunden, wo der Bruder hingeheiratet hatte, von dem ich abstamme. Die haben aber weder in Schönbrück noch in Stumhübel geheiratet, sondern in Schlitt, wo mein Ahn seine zweite Frau gefunden hatte.

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Kommentar zuletzt bearbeitet am vor 3 Jahren von Marko Dargel Marko Dargel
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-Justina Dargels Heimat-Kirchspiel ist nicht Elmdetten, sondern Elditten

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