Geschichte(n) statt Daten

Dieser Tage habe ich einen bewegenden Kommentar zu meinem Artikel über "Justina Dargel - Die Seherin von Gross-Köllen" hereinbekommen. Einmal abgesehen davon, dass der Autor sehr interessante historische Bezüge vornimmt, schildert er sein Überleben als "sozusagen letztes ueberlebendes dt Baby von "Koenigsberg". Das hat mich sehr berührt und daran erinnert, dass es in unserer Familie ähnliche Erinnerungen gibt. Deshalb schreibe ich sie auf, bevor sie ganz in Vergessenheit geraten. Mir wird erneut bewusst - Genealogie ist mehr als die Dokumentation von Geburts- und Sterbedaten. Familiengeschichte wird erst durch die Erlebnisse der Familienangörigen lebendig. Diese wiederzugeben halte ich eigentlich nicht nur interessanter sondern auch relevanter für die Nachkommen.

Flucht aus Ostpreußen

Die Familie bestand seinerzeit aus de Dargels aus Wormditt und den Seiferts aus Königsdorf. Als die russische Front näher kam, waren sich alle über die Kosequenzen im klaren und versuchten zu fliehen. Dabei wurde den Umständen geschuldet verschiedene Fluchtrouten gewählt.

Walter Dargel war als Angehöriger der Waffen-SS in Norwegen stationiert. Über ihn aus dieser Zeit nichts bekannt. Seine Frau und sein Sohn Ortwein hofften, mit der Wilhelm Gustloff in letzter Minute davon zu kommen und sind tragischer Weise mit ihr und weiteren mehr als 9000 Menschen untergangen. Walter ist 1946 in Kriegsgefangenschaft gestorben, worüber Tante Trautchen durch das Roten Kreuz informiert wurde.

Tante Traudchen und Ihre Mutter Maria haben die Gustloff-Flüchtlinge um zwei Tage verpasst - Gott sei Dank - und sind notgedrungen nach Dänemark zu Fuß "über die große Düne" ausgewandert. Von Dänemark aus wurden sie nach Kriegsende nach Deutschland entlassen und haben sich entschieden in den Schwarzwald zu gehen - Hauptsache nicht "zu den Russen".

Alfreds Familie ist bis 1950 in Wormditt geblieben. Als Vater Alfred aus russischer Kriegsgefangenschaft kam, hat er sich nach Freckleben in Sachsen-Anhalt entlassen lassen, da seine Schwägerin Olga mit Sohn Adolf und Tocher Martha und Mann Robert Schmidt dort bereits gestrandet waren. Sie hatten sich schon eher von Königsdorf auf die Flucht begeben.

Übers Rote Kreuz hat er dann seine Familie mit Schwiegermutter Christine Seifert, seine Frau Lydia und Sohn Dieter 1950 in den Harz geholt. Zuvor hatten sie sich ohne ihn im Frühjaher 1945 in einem ersten Fluchtversuch auf den Weg nach Westen gemacht. Dabei war der kleine Joachim im Alter von 6 Wochen erforen. Die Flucht haben sie abgebrochen und sind wieder zurückgekehrt, damit sich die Familie in Wormditt wieder treffen konnte. Die Entscheidung fiel auch, da sie unterwegs vom Kriegsende überrascht wurden. Die Umstände der Flucht, des Kriegsendes und insbesondere den Verlust des kleinen Joachim hat Lydia nie verwunden.

Unter welchen Umständen sie damals überlebet haben, kann man sich vorstellen wenn man sich vor Augen führt, dass Opa Konrad "August"  noch vor Kriegesende im Alter von erst 52 Jahren verhungerte, da er mit seinen 2,05 m zu wenig Nahrung hatte.

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